Samstag, 11. Januar 2014

Fairphone - eine Enttäuschung?

Als einer der Ersten, die ihr Fairphone bekommen, habe ich mir im Vorfeld natürlich viele Berichte (manche auch negativ) über das Erreichte und die Fehler des ersten Fairphones gelesen.

Auffällig finde ich, dass nun viele aus der Apple-Fraktion (trifft leider zu, also nennen wir das Kind beim Namen) auftauchen und die "Fortschritte", die Apple bei der Produktion macht in den Himmel loben und dann die erste Version des Fairphones kritisieren. Jetzt mal ehrlich Leute. Die Produktionsbedingungen bei Apple Zulieferern bei den gleichzeitigen Gewinnmargen (pro Iphone etwa 200 €) und der völligen Ignoranz des Unternehmens dahingehend zu verteidigen ist schon daneben. Ja das Iphone ist ein super Produkt, da gehe ich mit jedem D'accord, aber Apple ist in etwa so nachhaltig wie ein brennendes Kohlekraftwerk.

Ich verweise mal auf folgenden Beitrag im Fairphone Forum. https://fairphone.zendesk.com/hc/communities/public/questions/200680086-Criticism-in-a-blog-what-do-you-think-about-this-

Wie gesagt, Kritik ist legitim und sogar begrüßenswert, da es den Fokus von Verbrauchern für diese Problematik insgesamt schärft. Doch niemand kann Fairphone vorwerfen zu Lügen oder zu Betrügen, wie das inzwischen gemacht wird. Die Vision, die sie für die erste und zukünftige Versionen des Fairphones haben, wurden schon immer offen kommuniziert. Siehe hier z.B.: http://www.fairphone.com/2013/06/12/design-bootcamp-results/1b_afairware-perspective-2/
Ich war damals von den kleinen Schritten auch schwer enttäuscht, die das Projekt macht, aber man darf eben nicht unterschätzen, was für einen unglaublich wichtigen Beitrag alleine schon die Existenz der ersten Version des Fairphones bedeutet. Wenn man langfristige Parter für so ein Projekt sucht muss man leider an allen Ecken und Enden Abstriche machen. Das hat mich wie gesagt anfangs auch frustriert, aber solche Projekte lassen sich von einer kleinen Gruppe an Leuten (und 25.000 sind im vergleich zu den Produktionszahlen anderer Hersteller immer noch winzig) eben nicht von Heute auf Morgen vollziehen.

Was die erste Version des Fairphones versprochen hat: Erstmalig Transparenz bei der Herstellung eines solchen Geräts, Nutzung und Unterstützung bestehender Projekte, diverse Hardwareseitige nachhaltige Veränderungen (Doppelte Sim-Unterstützung, Austauschbare Batterie etc.), freie Wahl des Betriebssystems (auch wenn das ein heißer Streitpunkt war: Es funktioniert.), bessere Bezahlung der Arbeiter [mit dem Fonds etwa das 7-fache des normalen Monatslohns pro an der Endproduktion beteiligter Person], etc. hat das Projekt verwirklicht.
Klar kann man sich jetzt erschüttert zeigen, dass es den Arbeitern im Kongo immer noch schlecht geht und in den Fabriken in China weiterhin Arbeitsumstände sind, die uns unvorstellbar erscheinen. Aber 25.000 Telefone sind eben auch nur eine erster, dafür umso wichtiger Schritt. Nun können wir das für das Fairphone zumindest alles beim Namen nennen.

Vor einem Jahr waren viele der jetzt erreichten Dinge noch völlig unvorstellbar und es macht Mut für die nächsten Versionen, die dann irgendwann eine wirklich einwandfrei faire Alternative bieten. Bis dahin ist zwar noch ein weiter Weg, aber jeder Käufer kann jetzt schon stolz sein, Teil dieses Projekts zu sein.

UPDATE:
Eine andere, gut begründete, Meinung vertritt Sebastian Jekutsch auf seinem Blog faire-computer.de (ihr erinnert euch vll. an seinen Beitrag über Probleme bei der Herstellung elektronischer Geräte beim 29c3)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen